Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

21. Februar 2020

Jahrelang hat die württembergische Landessynode um die Frage der Segnung und Trauung gleich-geschlechtlicher Paare gerungen. Vor allem 2017 wurde das Thema aktuell, nachdem der Bundestag die Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches und damit die „Homo-Ehe“ beschlossen hatte: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Die Landessynode lehnte im November 2017 den Antrag ab, dass es in Württemberg Segnungsgottesdienste anlässlich der bürgerlichen Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare geben kann. Im März des vergangenen Jahres hat sich die Landessynode erneut damit beschäftigt und entschied, dass ab 2020 auch in Württemberg öffentliche Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare möglich sind – zumindest für ein Viertel der rund 1250 Gemeinden. Und wenn mehr als ein Viertel der Gemeinden dies beantragen, dann muss das Thema weiter verfolgt werden.
Das Thema der Segnung bleibt auch in den Gemeinden aktuell. Auf der einen Seite sind diejenigen, die der Homosexualität kritisch gegenüber stehen. Manche sehen sie als Abweichung vom Normalen, nicht dem Willen des Schöpfers gemäß oder als Krankheit. Sie verweisen auf die (wenigen) Bibelstellen, die Homosexualität verurteilen (z.B. 3.Mose 20,13; Röm 1,26f). Auf der anderen Seite treten Menschen dafür ein, dass Homosexuelle in unseren Gemeinden akzeptiert und willkommen sind. Dass auch jener homosexuelle Mann dazugehört, der sagt: „Ich will mich annehmen können und meine Lebensform – und fromm sein.“
Die biblischen Stellen sehen sie in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext – und dass diese vornehmlich die Prostitution Minderjähriger im Blick haben. Hauptargument ist für viele, dass die Liebe Gottes, wie sie Jesus gelebt hat, alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit umfasst – vor allem die Minderheiten (z.B. Mt 25,40). Und dass der Segen, der von Gott kommt, allen gilt (vgl. 4.Mose 6,24-27).
Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde hat schon Anfang diesen Jahres den Antrag gestellt, gleichgeschlechtliche Paare segnen zu dürfen. Drei Voraussetzungen mussten wir erfüllen: Zum einen muss eine Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden haben. In der Bonhoeffergemeinde ist dies seit Jahren in verschiedenen Veranstaltungen geschehen – zuletzt in einer Gesprächsrunde am 1. Advent. Zum anderen müssen drei Viertel der OrtspfarrerInnen zustimmen – Pfarrerin Sarah Reyer und ich sind uns einig: Wir sind dafür. Und schließlich müssen drei Viertel des Kirchengemeinderates den Antrag unterstützen. Der alte Kirchengemeinderat hat einstimmig für die Segnung gestimmt, von den neuen Kirchengemeinderätinnen und
-räten waren alle mit einer Enthaltung dafür.
Damit ist im Moment die Situation klar. Allerdings sieht es bei einer Fusion mit Nellingen anders aus. Dazu sollten dann die Voraussetzungen und Entscheidungen neu abgearbeitet werden.
Wenn Sie sich weiter mit dem Thema befassen wollen, finden Sie gute Informationen auf der Homepage der Landeskirche [hier] (zum Beschluss der Landessynode 2019) und [hier] (Referate vom Studientag der Landessynode 2017).

Zum Foto: Die Aktion einiger Studierender des Evangelischen Stifts in Tübingen für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Da sie keine Regenbogenfahne aufhängen durften, haben sie ihre Wäsche im Stiftshof auf einer Wäscheleine regenbogenfarbig sortiert.